German - Free topic 1: Flugzeug, Auto, Eisenbahn. Deutsche Mobilitätsutopien im 19. und 20. Jahrhundert

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Immer wieder beflügelte die Frage, wie die natürlichen Gegebenheiten irdischer Existenz überwunden werden könnten, die Phantasie der Menschen. Sie war eine wesentliche Triebkraft technischer Innovation und ein Medium politischer Utopien. Die Verwirklichung technischer Großprojekte sollte die Leistungsfähigkeit der politischen Systeme unter Beweis stellen; sie mobilisierten große Menschengruppen, mitunter ganze Nationen. In Deutschland waren es vor allem Verkehrsmittel, die ein über ihre technische Funktion hinausgehendes “symbolisches Kapital” enthielten — einen Mehrwert, der die Nation nicht nur räumlich und sozial, sondern auch ideell in Bewegung brachte. Im 19. Jahrhundert galt der Eisenbahnbau als Katalysator der industriellen Revolution, aber auch als Einigungsmittel der Nation. Am Ende des Deutschen Kaiserreiches wurde der Aufbau einer großen Flotte zu einem wichtigen Mobilisierungsfaktor, denn viele Deutsche erhofften sich von dieser ungeheuren technischen Anstrengung den Aufstieg ihrer Nation in die Spitzengruppe der Weltmächte. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde das Fliegen zum wichtigsten, um die Idee einer technischen Innovation kreisenden nationalen Einigungsprojekt. Und schließlich verwirklichten sich im Automobil nicht nur nationale, sondern auch ganz individuelle Mobilitäts- und Individualisierungswünsche.

 

In diesem Seminar soll die Bedeutung von Eisenbahn, Flugzeug und Automobil für das National- und Modernitätsverständnis der Deutschen untersucht werden.

Joachim Radkau, Technik in Deutschland. Vom 18. Jahrhundert bis heute, Frankfurt/New York 2016.

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7,5 ECTS
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Other
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